Fellows

Foto: FAU/Giulia Iannicelli

Dr. Nivedita Agarwal hat ihren Bachelor in Ingenieurwissenschaften und ihren Master in Business Administration am Indian Institute of Science in Indien abgeschlossen. Nach einer 5-jährigen Tätigkeit in der Beratungsbranche promovierte sie an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Nach Abschluss ihrer Promotion 2015 war sie als Postdoktorandin am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Innovation und Wertschöpfung und am Lehrstuhl für Technologiemanagement der FAU Erlangen-Nürnberg tätig. Seit 2021 ist sie Research Fellow am Institut für Entrepreneurship und Innovationsforschung der Universität Stuttgart. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen frugale Innovationen und soziales Unternehmertum. Inspiriert von den bestehenden gesellschaftlichen und nachhaltigen Herausforderungen, beleuchtet ihre Forschung die Rolle von Innovation und Unternehmertum bei der Gestaltung neuer Ökosysteme. Sie ist außerdem Chefredakteurin des International Journal of Entrepreneurial Venturing.

Entwicklung frugaler Innovationen für eine nachhaltige Zukunft und einen erhöhten sozialen Nutzen

Das Forschungsprojekt von Nivedita Agarwal untersucht die Anwendung von „Frugal Engineering“ zur Bewältigung von Herausforderungen in den Bereichen Gesellschaft und Nachhaltigkeit. Dabei wird der Implementierungsprozess von „Frugal Engineering“ einschließlich der erforderlichen Tools und Methoden definiert. Parallel dazu untersucht das Projekt die Rolle fortschrittlicher Technologien bei der Ermöglichung von frugalen Qualitätsinnovationen mit höheren geschäftlichen und sozialen Auswirkungen, während der Einsatz knapper Ressourcen erheblich reduziert wird. Ziel des Forschungsprojekts ist es, den Zusammenhang zwischen Frugalität und Nachhaltigkeit aufzuzeigen sowie Empfehlungen zur Umsetzung sparsamer Ansätze für große und kleine Organisationen auszuarbeiten.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Dr. Stefan Arnold absolvierte sein Studium an der FAU Erlangen-Nürnberg und der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Seit 2019 ist er am Lehrstuhl für IT-Management der FAU tätig, zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand und nach seiner Promotion im Jahr 2023 als Akademischer Rat a. Z. In seiner Forschung untersucht er das vielschichtige Zusammenspiel zwischen der technologischen Innovation großer Sprachmodelle und ihren tiefgreifenden gesellschaftlichen Auswirkungen. Um seine Forschung voranzutreiben, erhält er regelmäßig Fördermittel aus staatlichen und industriellen Quellen. Seine Arbeiten präsentiert er international auf Fachkonferenzen.

Die Kunst der Konversation: Sprachgebrauch und bewährte Praktiken für eine effektive Interaktion mit Conversational Agents

Conversational Agents, basierend auf Large Language Models, sind zu unverzichtbaren Werkzeugen für persönliche und berufliche Aufgaben geworden. Ihr Nutzen hängt jedoch nicht nur von der Fähigkeit der Gesprächspartner ab, mit sprachlicher Präzision und pragmatischer Angemessenheit zu kommunizieren, sondern auch davon, ob es ihnen gelingt, einen anregenden Dialog zu führen. Hierzu zählt u. a. der gezielte Einsatz linguistischer Mittel zur Sicherstellung eines logischen Gesprächsverlaufs oder der angemessene Ausdruck von Empathie. Ziel des Forschungsprojekts ist es, praktisch umsetzbare Empfehlungen auf Grundlage realer Gesprächsinteraktionen abzuleiten, um die Zugänglichkeit und gesellschaftliche Akzeptanz in breiteren Bevölkerungsgruppen zu fördern.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Prof. Dr. Christian Baccarella ist Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Innovation und Marketing an der Freien Universität Bozen. Zuvor war er Professor für Innovationsmanagement an der Universität der Bundeswehr München sowie Vertretungsprofessor an der Universität Bonn. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Deutschland und England promovierte er im Bereich Innovationsmanagement und habilitierte sich im Fach Betriebswirtschaftslehre an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen u. a. die Themen Innovation Marketing, Business Model Innovation, Kreativität, Social Media sowie das Kundenverhalten im Kontext offener Innovationsprozesse.

Studien zur dunklen Seite der sozialen Medien

Die sozialen Medien haben die Art und Weise, wie wir Informationen erstellen, teilen und konsumieren, fundamental verändert. Auch wenn sich die Forschung dabei überwiegend auf die positiven Aspekte der sozialen Medien konzentriert, gibt es zweifellos auch eine „dunkle Seite“. Immer mehr Aufmerksamkeit wird deswegen z. B. Phänomenen wie Fake News oder Cyberbullying gewidmet. Gerade diese in beträchtlichem Maße negativen Aspekte werden jedoch größtenteils vernachlässigt und bieten somit erhebliches Potential für die Forschung. Weitere theoretische und empirische Arbeiten sind deswegen notwendig, um die zugrunde liegenden Mechanismen dieser „dunklen Seite“ besser verstehen zu können, damit sich Individuen und Unternehmen auch besser dagegen schützen können. Die Ziele dieses Forschungsprojekts sind daher die Untersuchung „dunkler“ Social-Media-Phänomene und die Ableitung von Theorien und Modellen, die mehr Licht in diese dunkle Seite bringen sollen.

Foto: David Bartlitz

Prof. Dr. David Bartlitz ist Lehrstuhlinhaber für Deutsches und Internationales Unternehmensrecht an der Universität Paderborn. Er studierte Rechtswissenschaft an der FAU Erlangen-Nürnberg. Nach seiner Promotion zu dem Thema: „Die Haftung des Kommanditisten auf der Grundlage kapitalgesellschaftsrechtlicher Prinzipien“ absolvierte er das Rechtsreferendariat im Bezirk des Oberlandesgerichts Stuttgart. Nach dem Zweiten Juristischen Staatsexamen war er als Akademischer Rat a. Z. am Lehrstuhl für Wirtschaftsprivatrecht an der FAU Erlangen-Nürnberg tätig. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bürgerlichen Recht sowie im Gesellschafts- und Bankrecht.

Digitale Rechtstatsachenforschung

Rechtstatsachenforschung dient der Identifizierung tatsächlicher Abweichungen der Gesetzeseffekte von der Gesetzeszielsetzung, der Ermittlung tatsächlicher Probleme in der Rechtspraxis sowie der Analyse tatsächlicher Umstände zur Unterstützung rechtsdogmatischer Auslegungsprozesse. Sie unterscheidet sich damit deutlich von der „klassischen“, rein normativ geprägten Rechtswissenschaft und ähnelt vielmehr den empirischen Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Bislang wird Rechtstatsachenforschung in Deutschland ausschließlich analog durchgeführt. Die Idee der Digitalen Rechtstatsachenforschung besteht indes darin, die Gewinnung und Analyse von Rechtstatsachen erstmals unter Einsatz von Arbeitsmethoden der Wirtschaftsinformatik durchzuführen.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Dr. Hendrik Birkel Hendrik Birkel studierte von 2011 bis 2016 Wirtschaftswissenschaften (Bachelor of Science) und Betriebswirtschaftslehre (Master of Science) an den Universitäten Ulm und Osnabrück. 2017 begann er seine Arbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Supply Chain Management an der FAU Erlangen-Nürnberg und schloss seine Promotion Ende 2019 erfolgreich ab, für welche er mit dem Promotionspreis der Hermann Gutmann Stiftung ausgezeichnet wurde. Angeschlossen an seine Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter führt er seine Arbeit als Post-Doktorand und Habilitand am Lehrstuhl fort. Zu seinen primären Forschungsgebieten gehören Resilienz, Nachhaltigkeit und digitale Transformation von Lieferketten.

Gestaltung zukünftiger Lieferketten: Die beeinflussende Rolle von Resilienz und Industrie 4.0 Technologien

Ziel dieses Forschungsprojektes ist es, die unsichere Entwicklung eines digital getriebenen Risikomanagements in Lieferketten ganzheitlich zu untersuchen. Die Analysen konzentrieren sich auf eine zukunftsorientierte Perspektive unter Berücksichtigung von Technologieentwicklungen und Einflüssen durch die COVID-19-Pandemie, der Größe und Position von Unternehmen in der Lieferkette, Trendentwicklungen (z. B. Forderung nach mehr Nachhaltigkeit) sowie möglichen Synergieeffekten. Der ganzheitliche Ansatz ermöglicht sowohl theoretische als auch praktische Rückschlüsse auf das Management von Resilienz und deren Leistungsfähigkeit, die Reaktion auf Trendeinflüsse sowie Handlungsempfehlungen.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Prof. Dr. Alexander Bohnert studierte Wirtschaftsmathematik an der Universität Ulm und der University of West Florida (USA). Nach seiner Promotion und Habilitation an der FAU Erlangen-Nürnberg wurde er 2019 zum Privatdozenten an der FAU ernannt, war 2020-21 Professor an der TUM und ist nun Professor für Finanzwirtschaft und Risikomanagement an der Hochschule München (HM). Er war Visiting Scholar an der Aarhus University (Dänemark), Florida State University (USA), University of Georgia (USA), University of New South Wales (Australien) und der Waseda University (Japan). In den Jahren 2019-2022 war er im Board of Governors der Asia-Pacific Risk and Insurance Association (APRIA). Er hat mehrere Jahre in der Finanzdienstleistungs- und Versicherungsbranche gearbeitet und ist Aktuar (DAV) und Mitglied der Deutschen Aktuarvereinigung. Zudem ist er seit 2022 Chairman der AFIR-ERM Section (Financial Risks and Enterprise Risk Management) der International Actuarial Association (IAA). Er war Young Economist bei der Lindauer Nobelpreisträgertagung im Jahr 2017 und erhielt zweimal (2013 und 2018) den Shin Research Excellence Award der International Insurance Society und der International Association for the Study of Insurance Economics (Geneva Association). Seine Forschungsschwerpunkte sind (Enterprise) Risk Management, (Lebens-) Versicherungsmathematik sowie Digitalisierung und Innovation in der Versicherungswirtschaft.

Determinanten und Wert von Enterprise Risk Management in europäischen Versicherungsunternehmen

Enterprise Risk Management (ERM) hat in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen und ist für das Management von Risiken in Unternehmen höchst relevant. Ein holistisches und ganzheitliches Risikomanagement hat die Steigerung des Unternehmenswerts zum Ziel, erfordert jedoch erhebliche finanzielle und personelle Ressourcen.

Das Ziel des Forschungsprojekts ist eine empirische Untersuchung der Auswirkungen des Enterprise Risk Managements (ERM) auf den Unternehmenswert europäischer Versicherer sowie die Identifikation von Faktoren (Determinanten), die eine Einführung von ERM begünstigen. Das Projekt soll damit auch wertvolle Erkenntnisse für ein verantwortungsbewusstes Handeln und Unternehmensentscheidungen hinsichtlich der Implementierung eines Risikomanagement-Systems liefern.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Dr. Aksornchan Chaianong ist Postdoktorandin am Lehrstuhl für Sustainability Transition Policy an der FAU Erlangen-Nürnberg. Ein wesentlicher Aspekt ihrer Forschung zur Förderung des Übergangs zu sauberer Energie besteht in der Anwendung interdisziplinären Wissens über Technologie, Wirtschaft und Politik. In ihrer Forschung setzt sie hauptsächlich quantitative Methoden ein und konzentriert sich dabei auf Klimapolitik und Zielanalyse. Bevor sie an die FAU Erlangen-Nürnberg kam, war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Energie und Umwelt der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in der Schweiz. Sie hat einen Doktortitel in Energietechnologie von der Joint Graduate School of Energy and Environment in Thailand und einen Master-Abschluss in Energy and Earth Resources von der University of Texas in Austin.

Von Zielen zu Maßnahmen: Der klimapolitische Nexus

Die Erhöhung der Klimaziele ist entscheidend, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen. WissenschaftlerInnen haben untersucht, wie politische Maßnahmen priorisiert und in welcher Reihenfolge sie umgesetzt werden sollten. Der Prozess hinter den Klimazielen und den entsprechenden politischen Maßnahmen ist jedoch komplex. Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Klimaziele und -politik sind zwar entscheidend, um Klimamaßnahmen voranzutreiben, wurden bisher aber oft getrennt voneinander untersucht.

Im Forschungsprojekt sollen diese Wechselwirkungen nicht nur innerhalb dieser Politikbereiche, sondern bereichsübergreifend und in einem internationalen Vergleich von Vorreiter- und Nachzüglerländern analysiert werden. Das Projekt verknüpft Datenanalyse, Energieökonomik und politikwissenschaftliche Erkenntnisse und liefert damit neue Impulse für eine integrierte, nachhaltige Klimapolitik.

Foto: SFZ/Jochen Ermann

Prof. Sanjay Chugh, PhD war nach seiner Promotion an der University of Pennsylvania in der Forschungsabteilung der amerikanischen Zentralbank beschäftigt. Danach folgten Positionen als Assistenzprofessor an der University of Maryland und am Boston College. Seit 2016 war er als Professor an die Ohio State University beschäftigt und übernahm gleichzeitig die Leitung der Redaktion des Journal of Money, Credit and Banking. Obwohl seine Forschung mehrere Bereiche der quantitativen Makroökonomie umfasste, war er bekannt für seine Beiträge zur Geld- und Fiskalpolitik und der Arbeitsmärkte sowie der Art und Weise, wie diese zusammenwirken.

Matching, Selektion und Arbeitsmärkte

Das allgemein akzeptierte Bezugssystem zur Untersuchung von Arbeitslosigkeit war bisher das „Such und Matching-Modell“. Während Matching-Analysen viele realistische Vorhersagen beinhalten, sind andere Anpassungsspielräume ebenso wichtig, um Arbeitsmärkte besonders nach schweren Rezessionen quantitativ zu verstehen. Das Projekt verbindet „Selektionseffekte“, welche, wie vorherige Arbeiten gezeigt haben, quantitativ deskriptiv sind, mit der Matching-Analyse. Der zentrale Gedanke des Selektionsmodells ist, dass Personen, die zwar zu den Firmen passen, eventuell aber nicht die notwendigen Fähigkeiten besitzen und deswegen nicht „selektiert“ bzw. eingestellt werden. Die Verknüpfung der Modelle beschreibt die Ansicht, dass das Übereinstimmen und das tatsächliche Einstellen zwei unterschiedliche Vorgänge sind, was bisher allerdings noch nicht in quantitativen Modellen formal dargestellt worden ist. Das vollentwickelte Bezugssystem wird unter Verwendung von deutschen und amerikanischen Daten überprüft.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Prof. Sena Coşkun, PhD ist seit 2022 Juniorprofessorin für Makroökonomie und Arbeitsmarktforschung an der FAU Erlangen-Nürnberg. Sie studierte Volkswirtschaftslehre an der Boğaziçi Universität, Istanbul (Türkei), erhielt ihren Master-Abschluss an der Toulouse School of Economics (Frankreich) und promovierte 2018 an der Northwestern University (USA). Sie war als Postdoc an der Universität Mannheim tätig, bevor sie an die FAU Erlangen-Nürnberg wechselte. Sie forscht zu Themen wie Fertilität, Arbeitsangebot von Frauen und wie diese mit makroökonomischen Konjunkturzyklen interagieren.

Arbeitskräftemangel und niedrige Fertilität: Das Arbeitsangebot von Frauen in Deutschland

Sena Coşkuns Forschungsprojekt leistet einen Beitrag zur Forschung, vor allem im Kontext Deutschlands, indem es das Arbeitsangebotsverhalten von Frauen mit interdisziplinären Dimensionen analysiert, d. h. Geschlechternormen, Steuern, Kinderbetreuung und Berufswahl, um eine effektive Politikgestaltung zu ermöglichen. Die Hypothese ist, dass das Problem des Arbeitskräftemangels in Deutschland durch ein höheres Arbeitsangebot von Müttern gelöst werden könnte. Voraussetzung für diese Untersuchung ist ein detailliertes Verständnis der Geschlechterverhältnisse auf dem deutschen Arbeitsmarkt und die Fertilitätsdynamik sowie die Auswirkungen von Steuern und Arbeitsmarktinstitutionen. Die zweite Hypothese besagt, dass Fertilität und das Arbeitsangebot von Frauen miteinander verbundene Entscheidungen sind und daher gemeinsam analysiert werden sollten und dass eine mögliche Intervention zur Erhöhung des Arbeitsangebots von Frauen auch das Problem der niedrigen Fertilität angehen könnte. Tatsächlich ist die derzeitige Situation in Deutschland so, dass Mütter nicht arbeiten (können) und erwerbstätige Frauen aufgrund von Einkommenseinbußen nach der Geburt nicht gebären (können) oder die Mutterschaft aufschieben.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Prof. Dr. Nadja Dwenger vertritt den Lehrstuhl für Finanzwissenschaft an der Universität Hohenheim. Sie promovierte 2010 in Volkswirtschaftslehre an der Freien Universität Berlin und war Postdoktorandin am Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen in München. Sie ist Mitglied im Arbeitskreis Finanzwissenschaft des Bundesfinanzministeriums. 2012 war sie als Gastwissenschaftlerin an der University of California in Berkeley (USA). Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der empirischen Finanzwissenschaft. Sie untersucht insbesondere die Frage, wie Individuen und Unternehmen auf staatliche Regelungen und institutionelle Rahmenbedingungen reagieren und inwiefern sich dieses Verhalten am Gemeinwohl orientiert.

Steuermoral und prosoziales Verhalten

Nadja Dwenger möchte in ihrem Forschungsprojekt Bedingungen identifizieren, die für eine hohe Steuermoral förderlich sind. Diese Bedingungen sind in der wissenschaftlichen Literatur – trotz ihrer gesellschaftlichen Bedeutung – nach wie vor weitgehend unverstanden. Insbesondere soll untersucht werden, warum viele Individuen selbst dann zu einer ehrlichen Steuerzahlung bereit sind, wenn eine Überprüfung ihrer Steuerzahlung unwahrscheinlich oder sogar ausgeschlossen ist. Daran anschließend soll das Projekt den Zusammenhang zwischen Steuermoral und prosozialem (gemeinschaftsorientiertem) Verhalten in anderen Kontexten untersuchen. Zur Untersuchung dieser Fragestellungen sollen sowohl Labor- als auch Feldexperimente eingesetzt werden.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Dr. Katharina Ebner studierte Psychologie und Wirtschaft an der LMU München und der University of Hartford, USA. Sie erhielt 2006 ihr Diplom und 2013 ihren Doktortitel. Von 2007 bis 2011 war sie als Projektleiterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität der Bundeswehr München und von 2011 bis 2014 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie der TU Braunschweig tätig und verband dabei in ihrem Spezialgebiet der Personalentwicklung die wissenschaftliche Forschung mit praktischen Erfahrungen. Seit 2015 ist sie Post-Doc am Lehrstuhl für Psychologie, insbes. Wirtschafts- und Sozialpsychologie der FAU Erlangen-Nürnberg und habilitiert sich zum Thema Karriereentwicklung und Coaching.

Künstliche Intelligenz im Coaching: Analyse der Wirksamkeit eines Karrierecoaching-Chatbots

Der Einsatz von Chatbots in psychologischen Kontexten (insb. Psychotherapie) ist ein neuer und wachsender Forschungsbereich. Der Einsatz von Chatbots im Coaching mit wissenschaftlichem Hintergrund ist hingegen nicht sehr weit verbreitet. Das Ziel des Forschungsprojekts ist einen Coaching-Chatbot zu entwickeln, mit dessen Hilfe das Erstgespräch im Karrierecoaching digital und somit unabhängig von zeitlichen, räumlichen und finanziellen Restriktionen stattfinden kann. Die psychologischen Effekte des Chatboteinsatzes sollen im Sinne der Dismantling-Technik durch einen modularen Chatbot-Aufbau mit Hilfe von Technologien der künstlichen Intelligenz überprüft werden.

Foto: Jonas Egerer

Dr. Jonas Egerer studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen Universität Dresden und arbeitete anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und der Technischen Universität Berlin. Er promovierte an der TU Berlin in 2016 nach Forschungsaufenthalten an der Universidad Pontificas Comillas Madrid, der NTNU Trondheim und dem European University Institute in Florenz. Anschließend war er Postdoktorand und Akademischer Rat an der FAU Erlangen-Nürnberg und am Energie Campus Nürnberg (EnCN) zur klimaneutralen Transformation in liberalisierten Energiemärkten. Aktuell ist er Postdoktorand am Energy Systems and Market Design Lab der Technischen Universität Nürnberg.

Marktdesign von Strom- und Wasserstoffmärkten in mehrstufigen Energiemarktmodellen

Die Transformation in ein nachhaltiges Energiesystem erfordert die Umstellung von fossilen auf kohlenstofffreie Energieträger, insbesondere auf erneuerbare Stromerzeugung und Wasserstoff. Dafür bedarf es der Weiterentwicklung des Energiemarktdesigns, um Marktakteuren langfristige Geschäftsmodelle für Investitionen insbesondere an der Schnittstelle zwischen Strom- und Wasserstoffmärkten zu eröffnen.

Ziel des Forschungsprojekts ist es, mehrstufige Marktmodelle für gekoppelte Energiemärkte verschiedener Energieträgern zu entwickeln. Mit regional aufgelösten Datensätzen kann mit diesen die Auswirkung des Marktdesigns auf Netzinfrastruktur für den Energietransport und die regionale und überregionale Entwicklung im Energiesystem im mittelfristigen Marktgleichgewicht untersucht werden.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Prof. Dr. Martin Emmert studierte Betriebswirtschaftslehre an der FAU Erlangen-Nürnberg sowie an der Universidad Cristóbal Colon in Veracruz (Mexiko). Nach der Promotion am Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement an der FAU Erlangen-Nürnberg hatte er eine Juniorprofessur für Versorgungsmanagement inne. Seit 2021 ist Professor für Qualitätsmanagement, Gesundheitsökonomie und Präferenzforschung in der Onkologie an der Universität Bayreuth. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen gesundheitsökonomische Evaluationsstudien, Public Reporting sowie Pay for Performance.

Untersuchung der Verständlichkeit von Informationen zur risikoadjustierten Ergebnisqualität von Krankenhäusern auf Internetportalen zur Steigerung der Patientensicherheit

Im deutschen Gesundheitswesen können beträchtliche Unterschiede in der Versorgungsqualität von Krankenhäusern festgestellt werden, was insbesondere für Patienten ein großes Maß an Unsicherheit bedeutet. Die Konsequenz ist eine zunehmende Forderung nach mehr Transparenz. Neben veröffentlichten Qualitätsberichten erhalten Patienten insbesondere auf Internetportalen Informationen über die Qualität von Krankenhäusern. Allerdings ist bislang unklar, ob und in welchem Ausmaß die dort zur Verfügung gestellten Informationen richtig verstanden bzw. interpretiert werden.

Im Rahmen des Forschungsvorhabens soll anhand einer Studie das Verständnis der Bevölkerung zu dargestellten Informationen der risikoadjustierten Ergebnisqualität auf Internetportalen untersucht werden. Im Zentrum der Untersuchung steht neben der Analyse von unterschiedlichen Darstellungsvarianten auch eine Online-Befragung zu deren Verständlichkeit. Die Ergebnisse der Studie sollen anschließend mit Erkenntnissen aus der international verfügbaren Literatur verglichen werden. Damit soll ein Beitrag dazu geleistet werden, dass Patienten zukünftig adäquat aufbereitete Informationen erhalten.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Dr. Julia Fehrer ist Professorin für Innovation & Strategie an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Auckland in Neuseeland. Ihre Forschung liegt an der Schnittstelle von strategischem Marketing, Dienstleistungsmanagement und Innovation, mit einem Schwerpunkt auf Markt- und Ökosystem-Innovationen zur Förderung des digitalen und sozialen Wandels. Ihre Arbeiten wurden in Fachzeitschriften wie dem Journal of Service Research, Industrial Marketing Management und Journal of Business Research veröffentlicht und mit mehreren internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter erhielt sie den Emerging Researcher of the Year Award der Australian & New Zealand Marketing Academy. Sie ist im Editorial Board der Fachzeitschriften: Journal of Service Management, Journal Service Theory and Practice und AMS Review und leitet eine Special Interest Group zu Market Shaping and Innovation. Darüber hinaus ist sie akademische Leiterin für den Bereich Innovation und Strategie und Co-Direktor des Circular Economy in Business Forschungszentrums an der Universität Auckland. In dieser Rolle kooperiert sie mit internationalen WissenschaftlerInnen, Branchennetzwerken und Ministerien zu Themen der nachhaltigen Innovation. Mit einer erheblichen Förderung durch das Ministerium für Wirtschaft, Innovation und Beschäftigung arbeitet sie derzeit in einem transdisziplinären Team an der Umstellung der Kunststoffindustrie Neuseelands auf eine Kreislaufwirtschaft.

Service Innovation in sozialen cyber-physischen Systemen: Design, Adoptions- und Lern-Prozesse für radikale technologische Innovation

Künstliche Intelligenz, Robotik und soziale cyber-physische Systeme haben einen grundlegenden Einfluss darauf, wie wir sozial interagieren. Mensch und Technologie verbinden sich mit ihrer Umgebung auf eine komplett neue Art und Weise, was zu disruptiven Veränderungen in unterschiedlichsten Sektoren führt. Technologie verändert schneller denn je Service und Service Innovation. Künstliche Intelligenz und Wearables haben beispielsweise in der Medizin, im Sport oder im Austausch von Daten eine große Bandbreite an denkbaren Anwendungsfeldern. Im Rahmen des Forschungsprojekts soll der radikale Innovationsprozess genauer beleuchtet und von einer systemischen Perspektive definiert werden. Dadurch soll das Verständnis darüber, wie verschiedene Akteure wie z. B. potentielle Kunden, Entwickler, Investoren, die Technologie selbst und sogar Mitbewerber im Innovationsprozess aktiver eingebunden werden und voneinander lernen können. Es wird mit verschiedenen systemischen Designmethoden experimentiert, die Adoptions- und Lern-Prozesse von unterschiedlichen Akteuren unterstützen, um ein Rahmenwerk für Führungskräfte und Unternehmer zu erstellen, wie diese systemische Innovationen erfolgreich fördern können.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Prof. Dr. Lorenz Graf-Vlachy ist Professor für Unternehmensführung an der TU Dortmund und Senior Research Fellow des Research Institute of Management der ESCP Business School. Davor war er Professor für Strategie an der ESCP Business School in Berlin. Vordem war er als Akademischer Rat an der Universität Passau tätig. Darüber hinaus war er Visiting Fellow an der Harvard University, Scholar in Residence an der University of Georgia, Visiting Scholar an der Penn State University, Visiting Associate Research Scholar an der Columbia University sowie Affiliated Research Fellow at IMD International in Lausanne. Er ist Diplom-Wirtschaftsinformatiker und hat im strategischen Management an der FAU Erlangen-Nürnberg promoviert. Er studierte im MBA-Programm der Indiana University und an der Tongji-Universität. Vor seiner wissenschaftlichen Tätigkeit war er als Projektleiter bei The Boston Consulting Group (BCG) in München und beim World Economic Forum (WEF) in Genf beschäftigt. Seine Forschung beschäftigt sich mit verhaltenswissenschaftlichen Aspekten von Strategie sowie mit Innovation und Digitalisierung.

Kognitive Komplexität von CEOs

Das strategische Verhalten von Unternehmen ist zu einem nicht geringen Teil eine Reflektion der Persönlichkeitseigenschaften ihrer Chief Executive Officers (CEO). Eine bisher nicht ausreichend erforschte Eigenschaft von CEOs ist ihre kognitive Komplexität. Kognitive Komplexität beschreibt Denkstrukturen – und damit nicht, was eine Person inhaltlich denkt, sondern wie sie denkt und auf welche Weise ihr Denken organisiert ist. Das Forschungsprojekt zielt auf die Beantwortung zweier zentraler Fragen ab: 1) Von welchen Faktoren hängt die kognitive Komplexität von CEOs ab? 2) Welche Auswirkungen hat die kognitive Komplexität von CEOs für die von ihnen geführten Unternehmen?

Foto: SFZ/Jochen Ermann

Prof. Dr. Michael Grottke studierte Betriebswirtschaftslehre an der FAU Erlangen-Nürnberg (FAU) und erwarb einen Master of Arts in Economics an der Wayne State University in Detroit (USA). Nach seiner Promotion an der FAU war er an der Duke University in Durham (USA) als Research Associate und Assistant Research Professor tätig. Im Jahr 2010 wurde er an der FAU in den Fächern Statistik und Betriebswirtschaftslehre habilitiert. Zu seinen Forschungsgebieten zählen die Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit und Performance von Softwaresystemen sowie die Ökonomie der Softwareentwicklung.

Warum Software versagt – und was man gegen Softwarefehler tun kann

Wir alle sind auf das korrekte Verhalten Software-gesteuerter Systeme angewiesen. Daher muss adäquat gegen Softwarefehler vorgegangen werden. Welche Techniken hierbei für einen bestimmten Fehler geeignet sind, hängt von dessen Charakteristika ab. So bewirken z. B. manche Fehler (wie Speicherlecks) die Anhäufung interner Fehlzustände im laufenden System. Stresstests können die Entdeckung solcher „alterungsauslösender“ Fehler fördern. Im Rahmen des Projekts werden Fehler in Open-Source-Software analysiert. Die ermittelten Anteile der verschiedenen Fehlerarten können z. B. Softwaretestern als Benchmark dienen, um einen zu geringen Umfang oder eine zu geringe Qualität bestimmter Tests aufzudecken.

Foto: Steffi Haag

Prof. Dr. Steffi Haag ist Professorin für Entrepreneurship und Innovationsmanagement an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sie studierte im Bachelor Wirtschaftswissenschaften an der FAU und im Master Finance & Information Management an der Goethe-Universität in Frankfurt. Am Institut für Wirtschaftsinformatik der Goethe-Universität Frankfurt verfasste sie die erste Dissertation zum Thema Schatten-IT, die mit dem Wissenschaftspreis 2017 der Gesellschaft für Datenschutz und Datensicherheit e.V. und dem Förderpreis der Nürnberger Steuergespräche e.V. 2017 ausgezeichnet wurde. Nach ihrer Promotion war sie an der Universität Jyväskylä in Finnland, als Postdoc-Stipendiatin an der TU Darmstadt sowie als Juniorprofessorin für Wirtschaftsinformatik an der FAU Erlangen-Nürnberg tätig. Forschungsaufenthalte verbrachte sie an den Universitäten Louisiana und Colorado, USA. Ihr Forschungsschwerpunkt ist das Spannungsfeld zwischen digitalen Innovationen und Informationssicherheit. Dieses erforscht sie z. B. in Studien zur Nutzung von Schatten-IT oder dem Design von User Experience in Unternehmen.

Kraft schöpfen aus dem Design künstlich intelligenter Systeme

Künstlich intelligente (KI) Systeme, die in der Lage sind selbst zu lernen, übernehmen menschliche Entscheidungen in immer mehr Lebensbereichen. KI Systeme entscheiden z. B., welche Kommentare auf Facebook oder welche Preise auf Amazon erscheinen. Dahinter stehen Algorithmen, die zwar zur Unterstützung bestimmter Aufgaben entwickelt wurden, aber auch zu unerwarteten Nebenwirkungen führen können. Nutzende fühlen sich etwa gestresst, macht- oder einflusslos. Demgegenüber besagt das psychologische Konzept des „Empowerment“, dass Wahrnehmungen von Autonomie, Selbstbestimmtheit oder Einfluss zentral sind, um Aufgaben zu bewältigen. Während dieses Konzept auf Gebieten, wie etwa der Sozial- und Organisationsforschung, bereits lange etabliert ist, gibt es bisher kaum Studien, die Wahrnehmungen von Empowerment auf digitale Technologien und insbesondere dessen Designeigenschaften und -prinzipien zurückführen. Dabei berichten diese wenigen ersten Studien, dass sogenanntes „User Empowerment“ nicht nur die Adoption und Nutzung digitaler Technologien fördert, sondern auch zu besserer Arbeitsleistung und mehr Innovation führen kann. Das Ziel des Forschungsprojektes ist es zu einem besseren Verständnis der Mechanismen von User Empowerment im KI-Kontext beizutragen. Hierfür wird das Verhältnis zwischen dem Design von KI Systemen und Wahrnehmungen psychologischer Empowerment bei Nutzenden untersucht.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Prof. Dr. Lisa Handke ist seit 2023 Juniorprofessorin für Wirtschaftspsychologie an der FAU Erlangen-Nürnberg. Sie studierte Psychologie an der FU Berlin, der Universität Göttingen und Université de Bordeaux und schloss 2019 ihre Promotion an der TU Braunschweig ab. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin war sie an der TU Braunschweig und der FU Berlin, als Gastwissenschaftlerin am Center for Transformative Work Design in Perth und als Postdoctoral Fellow an der University of Calgary tätig. Im Vordergrund ihrer Forschung steht die Anpassung des Menschen an das virtuelle Arbeitsumfeld und die damit verbundenen Herausforderungen. Dazu gehören Themen wie standortverteilte bzw. ortsunabhängige Teamarbeit, virtuelle Meetings und die Gestaltung mobiler bzw. hybrider Arbeit.

Verhaltensbasiertes Feedback in virtuellen Meetings

Virtuelle Meetings nehmen inzwischen einen beträchtlichen Anteil der Arbeitszeit vieler Beschäftigter ein, werden aber oftmals als ineffektiv und erschöpfend wahrgenommen. Ziel des Forschungsprojektes ist die Entwicklung einer Feedbackintervention zur Verbesserung virtueller Meetings, die auf einer Echtzeiterfassung von Verhalten in Meetings und deren unmittelbare Rückkopplung an die Teilnehmenden beruht. Dabei soll auch das Automatisierungspotential von Verhaltenscodierung in Meetings untersucht werden.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Dr. Tim Alexander Herberger studierte Betriebswirtschaftslehre an der FAU Erlangen-Nürnberg sowie der Universität St. Gallen. Im Anschluss trat er eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Finanzwirtschaft der Otto-Friedrich-Universität Bamberg an und promovierte über Finanzierungsstrategien in der Aus- und Weiterbildung von Studierenden. 2018 nahm er die Universitätsdozentur und Leitung des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre I an der Andrássy Universität Budapest an. Seine Forschungsinteressen liegen u. a. in der empirischen Kapitalmarktforschung, in der Bewertung von Humankapital sowie in der Finanzintermediation und Finanzmarktkommunikation.

Social Media-Kanäle als Informationsintermediäre – Einfluss auf Kapitalmarktakteure, Marktmikrostruktur sowie auf die Digitalisierung in der Finanzmediation, Rechnungslegung, Wirtschaftsprüfung & Unternehmenspublizität

Informationsintermediäre können bei der Kommunikation von Unternehmensnachrichten helfen, den Unternehmenswert nachhaltig zu steigern. Ursächlich hierfür sind geringere Kosten bei gleichzeitig schnellerer Informationssuche, -verbreitung und Erweiterung des Adressatenkreises. Es liegt nahe, dass dies auch für den Einsatz von Social Media-Kanälen gilt. Ziel des Projektes ist es zu analysieren, ob für verschiedene Stakeholder sowie die zugrundeliegende Marktmikrostruktur ein Nutzen durch den Einsatz von Social Media-Kanälen im Zuge der kapitalmarktrelevanten Kommunikation von Unternehmensinformationen realisiert werden kann. Dies schließt eine kritische Analyse möglicher Risiken aus der Nutzung solcher Intermediäre mit ein. Hierdurch sollen Implikationen für die Finanzintermediation sowie die Digitalisierung in der Rechnungslegung abgeleitet werden.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Prof. Dr. Jacob Hörisch ist Juniorprofessor für Nachhaltigkeitsökonomie & -management am Centre for Sustainability Management der Leuphana Universität Lüneburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind Nachhaltigkeitsmanagement, Sustainable Entrepreneurship, Stakeholder Theory und Nachhaltigkeitsökonomie. Zu diesen Themen hat er bereits zahlreiche Beiträge in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht. Seine Forschung wurde mit Best Paper Awards auf internationalen Konferenzen und dem Leuphana Best Young Researcher Award ausgezeichnet.

Der Einfluss ethischer Unternehmenskulturen auf unternehmerische Nachhaltigkeit

Unternehmen sind für eine nachhaltige Entwicklung von zentraler Bedeutung und gleichzeitig stellt unternehmerische Nachhaltigkeit eine große Herausforderung für Unternehmen dar. Oftmals wird erwartet, dass Unternehmen, die einer explizit ethischen Unternehmenskultur folgen, dieser Herausforderung besser gerecht werden.
Das Forschungsprojekt untersucht daher, ob und wie eine ethische Unternehmenskultur
unternehmerische Nachhaltigkeit beeinflusst. Ziele der Untersuchung sind beispielsweise das Phänomen einer explizit ethischen Unternehmenskultur zu definieren, mögliche verschiedene ethische Unternehmenskulturen und die zugrunde liegenden philosophischen und weltanschaulichen Werte zu konzeptualisieren sowie die Effekte von ethischen Unternehmenskulturen auf unternehmerische Nachhaltigkeit zu analysieren.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Dr. Simon Horn, Maître en droit (Rennes) studierte von 2013 bis 2020 Deutsch-Französisches Recht an der FAU Erlangen-Nürnberg (Erste Juristische Prüfung 2020) und der Université de Rennes 1 (Licence en droit 2016, Maîtrise en droit européen 2017, Master en droit européen 2020). Im Anschluss arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FAU Erlangen-Nürnberg, wo er 2022 mit einer von Prof. Dr. Jochen Hoffmann betreuten Dissertation auf dem Gebiet des Internationalen Privat- und Zivilverfahrensrechts promoviert wurde. Seit 2021 ist er am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg tätig, zunächst als wissenschaftlicher Assistent, seit 2024 als wissenschaftlicher Referent. Er forscht zum Bürgerlichen Recht, Handels-, Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht, Internationalen Privat- und Zivilverfahrensrecht, Kartellrecht und zur Rechtsvergleichung.

Prognosen im Unternehmensrecht

Prognosen sind im Unternehmensrecht allgegenwärtig: In zahlreichen Vorschriften werden Unternehmen, Unternehmensträger und ihre Leitungsorgane verpflichtet, zukunftsgerichtete Aussagen oder Entscheidungen zu treffen. Hierdurch werden Prognosen zu einem unternehmensrechtlichen Problem, das bislang jedoch einer umfassenden Aufarbeitung harrt.

Im Rahmen des Forschungsprojekts werden wirtschaftswissenschaftliche Erkenntnisse genutzt, um Einsichten in die Leistungsfähigkeit und Grenzen sowie die verhaltensökonomischen Wirkungen unternehmensrechtlicher Prognosen zu gewinnen. Zudem soll eine rechtsvergleichende Perspektive eingenommen werden, um ausländische Erfahrungsschätze in Bezug auf die unternehmensrechtliche Bewältigung von Prognoseproblemen zu erschließen. Ziel ist es, einen ökonomisch fundierten und sachgerechten Regelungsrahmen für Prognosen im deutschen Unternehmensrecht zu entwickeln.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Prof. Dr. Joachim Hüffmeier studierte von 1998 bis 2004 an der WWU Münster und der University of Dundee (Schottland) Psychologie. Er schloss seine Promotion an der Universität Trier im Jahr 2008 ab. Anschließend arbeitete er als Post-Doc an der WWU Münster (Habilitation dort im Jahr 2013) sowie als wissenschaftlicher Leiter an der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in Dortmund. Seit 2015 ist er Professor für Sozial-, Arbeits- und Organisationspsychologie an der Technischen Universität Dortmund. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit Konflikten und Verhandlungen, dem Zusammenhang von Arbeit und Gesundheit sowie mit Forschungsmethoden.

Zum Erfolg von Verhandlungstrainings außerhalb des Trainingskontexts

Verhandlungen erfolgreich führen zu können ist unverzichtbar für die Lösung von Interessenskonflikten innerhalb und zwischen Organisationen. Daher investieren Organisationen große Beträge (bspw. international ca. sieben Milliarden Dollar in 2011) in Verhandlungstrainings. Dass diese Trainings kurzfristig und im Trainingskontext wirksam sind, ist gut nachgewiesen. Ob sie aber auch für den Berufsalltag der Trainierten wirksam sind, ist weitgehend unklar. In einem Warte-Kontrollgruppen-Design soll deswegen untersucht werden, ob Verhandlungstrainings auch dort die intendierten Wirkungen entfalten (bspw. hinsichtlich wirtschaftlicher Kennzahlen, Folgegeschäften, Kundenzufriedenheit, etc.).

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Dr. Sebastian Junge studierte Betriebswirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, dem Indian Institut of Management Bangalore und der FAU Erlangen-Nürnberg. Nach seinem Studium war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Unternehmensführung, wo er 2017 auch seine Promotion erfolgreich abschloss. Seitdem ist er Akademischer Rat auf Zeit und vertritt seit 2019 den Lehrstuhl für Unternehmensführung. Neben seiner Arbeit an der FAU unterrichtete er noch an der Handelshochschule Leipzig, der European School of Management and Technology Berlin sowie der Universität Passau. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen u. a. Themen wie Persönlichkeitseigenschaften und Wahrnehmung von Führungskräften, Legitimierung unternehmerischer Handlungen sowie das Innovations- und Transformationsverhalten von Unternehmen.

(De)Legitimierung von organisationalen Nachhaltigkeitsverpflichtungen und -leistungen

Legitimität ist sowohl für junge Unternehmen als auch für etablierte Firmen unerlässlich. Klassische legitimitätsverleihende Akteure sind bspw. der Gesetzgeber, Aufsichtsbehörden oder die Medien. Mit dem Aufkommen digitaler Plattformen haben „normale“ Bürger einen Raum erhalten, in denen die Aktivitäten von Organisationen kontinuierlich diskutiert und bewertet werden können. Individuen, die sich zusammenschließen, können so andere Legitimitätsgeber, wie traditionelle Medien, beeinflussen und zur sozialen Akzeptanz von Organisationen beitragen, aber auch zu deren Delegitimierung. Das Forschungsprojekt soll untersuchen welchen Einfluss soziale Medien in der (De)Legitimierung von Nachhaltigkeitsanstrengungen von Organisationen haben.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Prof. Dr. Julia Klier ist Juniorprofessorin für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Internet Business & Digitale Soziale Medien an der Universität Regensburg. Sie studierte Finanz- und Informationsmanagement an der Universität Augsburg und der TU München. Nach ihrem Studienabschluss promovierte sie 2009 an der Universität Augsburg im Fachbereich Wirtschaftsinformatik. Sie war Projektleiterin bei der internationalen Unternehmensberatung McKinsey & Company. Im Jahr 2010 wurde sie vom Karriereportal der Zeitung DIE ZEIT (academics) als Nachwuchswissenschaftlerin des Jahres ausgezeichnet. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen soziale Medien und soziale Netzwerkanalyse, E-Government und (digitales) Kundenbeziehungsmanagement.

Der Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien zur Reduzierung von (Jugend-)Arbeitslosigkeit

In Deutschland und verstärkt in vielen südeuropäischen Ländern stellt (Jugend-)Arbeitslosigkeit ein komplexes, soziales Problem für Politik, Gesellschaft und Wirtschaft dar. Zielsetzung des Forschungsvorhabens von Julia Klier ist es, zu untersuchen, wie der Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) – allen voran mobiler Anwendungen (z. B. Apps), sozialer Technologien (z. B. soziale Netzwerke wie Facebook) und offener, digitaler Plattformen (z. B. Open Data) – dazu beitragen kann, (Jugend-)Arbeitslosigkeit zu verringern.

Im Rahmen des Forschungsvorhabens stehen drei wissenschaftliche Teilprojekte im Fokus: Zum einen soll untersucht werden, welcher Nutzen durch Open Data-Anwendungen (z. B. Arbeitsmarktmonitor) bzw. die Öffnung bestehender Plattformen erzielt werden kann. Zum anderen soll die Rolle mobiler Apps (z. B. JOBBÖRSE-App) bei der Vermittlung von arbeitslosen Jugendlichen näher betrachtet werden. Darüber hinaus soll analysiert werden, wie Arbeitslose mit elektronischen Self Services (z. B. in den Arbeitsagenturen) zurechtkommen und welche Effekte der Einsatz solcher Self Services mit sich bringt.

Methodisch ist das Forschungsvorhaben dem gestaltungsorientierten Forschungsparadigma (Design Science) zuzuordnen. Für alle drei Teilzielsetzungen stehen dabei die Entwicklung und Evaluation von IKT-Artefakten im Fokus. Letztere beinhaltet insbesondere auch die Evaluation des praktischen Nutzens der entwickelten Artefakte.

Foto: SFZ/Jochen Ermann

Prof. Dr. Andreas König ist Professor am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Technologie, Innovation und Entrepreneurship an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Passau und Affiliated Research Fellow am International Institute for Management Development (IMD) in Lausanne. Seine Forschung untersucht vor allem, wie etablierte Firmen auf diskontinuierlichen Wandel reagieren und welche Rolle CEOs dabei spielen. Er hat Beiträge in Zeitschriften wie „Research Policy“ und dem „Review of Managerial Science“ veröffentlicht. 2011 wurde ihm der Glueck Best Paper Award der Academy of Management verliehen. Von 2002 bis 2004 studierte er Business Administration an der HHL Leipzig. Vorher arbeitete Andreas König, der an der Hochschule für Musik in Rotterdam und an der Royal Academy of Music in London studiert hat, als international tätiger Konzerttrompeter.

Wie beeinflussen die Weltbilder von CEOs das strategische Verhalten von Unternehmen? – Ein konzeptualmetaphorischer Ansatz der Upper-Echelons-Theorie

Das Ziel des Forschungsvorhabens besteht darin, die Kernfrage der Upper Echelons-Forschung zu entschlüsseln: „Wie beeinflussen die Weltbilder von Top-Managern – also die tief verankerten kognitiven Grundstrukturen und Annahmen dieser Führungskräfte – das strategische Verhalten der von ihnen geleiteten Unternehmen?“ Die Untersuchung bedient sich dem aus der kognitiven Linguistik stammenden Ansatz der konzeptuellen Metapherntheorie, der davon ausgeht, dass sich das Weltbild eines Menschen in der Verwendung entsprechender Metaphern manifestiert. Die Textquellen für die Analyse der CEO-Weltbilder sind die Transkripte der Analystenkonferenzen mehrerer hundert CEOs in der Pharmaindustrie.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Prof. Dr. Fabian Kosse ist seit 2022 Inhaber des Lehrstuhls für Data Science in Business and Economics an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Zuvor war er Professor für Volkswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Angewandte Ökonomie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er hat Betriebs- und Volkswirtschaftslehre an der Universität Mannheim sowie der University of Miami (USA) studiert und wurde an der Universität Bonn promoviert. Er ist Research Affiliate unter anderem am Institute of Labor Economics (IZA) und im CESifo Research Network.

Digitalisierung, Automatisierung und Studienfachwahl

Digitale Technologien entwickeln sich rasch und spielen eine zentrale Rolle auf dem Arbeitsmarkt. Besonders Fortschritte im Bereich künstliche Intelligenz (KI) beeinflussen zukünftige Löhne und Arbeitsplätze. Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, die Erwartungen von Studierenden hinsichtlich der Effekte von KI auf zukünftige Tätigkeiten und ihre Entscheidungen zur beruflichen Orientierung zu analysieren. Die Erwartungen sollen mit tatsächlichen Arbeitsmarktdaten abgeglichen werden, um die Rolle technologischer Veränderungen bei der Studienfachwahl und bei Karrierewegen zu verstehen.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Dr. Julia Kraft studierte Rechtswissenschaft an der Universität Passau, der Université de Genève (Schweiz) und der LMU München. Sie absolvierte zudem das LL.M.-Programm der KU Leuven (Belgien). 2005 promovierte sie mit einer Arbeit zum Europäischen Unternehmensrecht an der Universität Bayreuth. Derzeit ist sie Inhaberin der Professur für Bürgerliches Recht und Vertragsgestaltung an der Universität Potsdam. Vor ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit war sie u. a. als Zivilrichterin und Staatsanwältin (Abteilung für Wirtschaftsstrafsachen und Korruptionsbekämpfung) sowie als Referentin im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (Referat für Europäisches Gesellschaftsrecht, Konzern- und Umwandlungsrecht) tätig.

Armut im Privatrecht

Recht ist ein wichtiges Steuerungsinstrument der Armutspolitik, also jenem Politikfeld, welches sowohl den Schutz vor als auch die Überwindung von Armut umfasst. Das gilt nicht nur für das Sozialrecht, sondern auch für das Privatrecht. Das Ziel der Armutsprävention wurde bereits zum Motor privatrechtlicher Gesetzesinitiativen und die Rechtspolitik hat armutsgefährdete Menschen als eine „besondere Verbrauchergruppe“ mit Unterstützungsbedarf identifiziert. Diese Entwicklung nimmt das Forschungsprojekt zum Anlass, um nach der rechtlichen Position wirtschaftlich Bedürftiger im Privatrecht zu fragen. Diese Position soll mit Hilfe eines wohlfahrtsökonomischen Ansatzes zur Bestimmung des individuellen Wohlergehens analysiert und bewertet werden. Dabei wird der Gedanke leitend sein, dass sich das Wohlergehen eines Menschen nicht allein mit Blick auf dessen Einkommen und Vermögen definieren lässt, weil diese nicht um ihrer selbst willen erstrebenswert sind.

Foto: FAU/Giulia Iannicelli

Dr. Christoph Küffner studierte von 2006 bis 2012 Betriebswirtschaftslehre an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg (Diplom-Kaufmann) mit den Schwerpunkten Produktionswirtschaft und Logistik, Personalwirtschaft und Organisation sowie Unternehmensführung und Controlling. Nach dem Studium war er bis Anfang 2020 in unterschiedlichen Supply-Chain Funktionen in der Praxis tätig. Wichtige Meilensteine waren hierbei Tätigkeiten in der Logistikdienstleistung als auch bei einem namhaften FMCG Hersteller. Von 2015 bis 2019 absolvierte er ein berufsbegleitendes und vertiefendes MBA-Studium im Bereich Logistikmanagement und Consulting. Im Februar 2020 begann er seine Arbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Supply Chain Management an der FAU Erlangen-Nürnberg und schloss seine Promotion im Januar 2023 erfolgreich ab. Angeschlossen an seine Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter führt er seine Arbeit als Post-Doktorand und Habilitand am Lehrstuhl fort.

Digitale Kollegen im Supply Chain Management: Der Mensch, Künstliche Intelligenz und intelligente Systeme im integrativen Dialog – Untersuchung von Vertrauen, ethischen Anforderungen und Integrationsprozessen

Die Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) verändern das Supply Chain Management grundlegend. Unternehmen integrieren zunehmend KI-gestützte Systeme, die in diesem Forschungsprojekt als „digitale Kollegen“ bezeichnet werden und über reine Automatisierung hinaus als interaktive Partner bei komplexen Aufgaben agieren. Während die technischen Vorteile bereits gut erforscht sind, bestehen noch Wissenslücken hinsichtlich sozialer und organisatorischer Auswirkungen. Das Forschungsprojekt untersucht Vertrauen, ethische Anforderungen und Integrationsprozesse digitaler Kollegen. Durch qualitative, quantitative und Foresight-Studien werden gezielte Empfehlungen zur Förderung von Akzeptanz und Vertrauen erarbeitet.

Foto: Daniel Kühnle

Prof. Dr. Daniel Kühnle studierte Politik- und Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Leeds (UK) und Lund (SWE) sowie Entwicklungsökonomik und -politik an der Universität Manchester (UK). Nach einem Aufenthalt als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Melbourne Institute of Applied Economic and Social Research in Australien promovierte er am Lehrstuhl für Statistik und empirische Wirtschaftsforschung an der FAU Erlangen-Nürnberg, wo er anschließend als Akademischer Rat tätig war. Ab Oktober 2019 ist er Inhaber des Lehrstuhls Volkswirtschaftslehre, inbesondere Arbeitsmarkt und Gesundheit an der Universität Duisburg-Essen. Seine Forschungsaufenthalte führten ihn an die Sydney University (AUS), Boston University und Northwestern University (USA). Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der empirischen Gesundheits-, Bildungs- und Arbeitsmarktforschung.

Effekte von Elternzeiten auf Unternehmen und Mitarbeitende

Bezahlte Elternzeitregelungen sind ein wichtiges Politikinstrument in vielen OECD-Ländern, um jungen Familien die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern. Dennoch herrscht auf dem Arbeitsmarkt ein potentieller Zielkonflikt zwischen den Elternzeitwünschen von Unternehmen und Eltern: wo Eltern sich tendenziell längere Erwerbsunterbrechungen wünschen, sind Arbeitgebende an einer möglichst kurzen Erwerbsunterbrechung interessiert, um die durch Umstrukturierung entstehende Kosten zu minimieren. Das Ziel des Forschungsprojekts ist es, die externen Effekte von Elternzeitregelungen auf Firmen, Mitarbeitende sowie Kinder zu ermitteln.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Prof. Dr. Mario Liebensteiner ist Juniorprofessor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Energiemärkte und Energiesystemanalyse, an der FAU Erlangen-Nürnberg. Seine Forschungsinteressen liegen in der Analyse und Regulierung von Energiemärkten und Umweltpolitik. Zuvor arbeitete er als Praedoc- und Postdoc-Forscher an der Technischen Universität Kaiserslautern und der Wirtschaftsuniversität Wien. Er absolvierte sein Doktorat in Economics an der WU Wien und sein Diplomstudium in Wirtschaftswissenschaften an der JKU Linz und der City University of Hong Kong. Er ist Mitglied des Expertengremiums „Energiesysteme der Zukunft“ (ESYS) der deutschen Wissenschaftsakademien.

Optimale Energietransformation vs. verzerrte Investitionssignale durch Markteingriffe

Der Übergang zu einem klimaneutralen Energiesystem ist technisch machbar, doch staatliche Eingriffe wie Subventionen und Technologieverbote verzerren die Marktpreise und gefährden wirtschaftlich tragfähige Investitionen. Das Forschungsprojekt analysiert mithilfe eines ex-ante Optimierungsmodells für das deutsche Energiesystem, ob private Investitionen in flexible Energietechnologien unter realen Marktbedingungen ausreichen, um ein klimaneutrales Energiesystem zu erreichen. Es zeigt Risiken für die langfristige Versorgungssicherheit auf und bewertet, ob staatliche Eingriffe notwendig oder kontraproduktiv sind. Die Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven für die Balance zwischen Markteffizienz und politisch gesteuerter Dekarbonisierung.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Prof. Dr. Yipeng Liu ist Professor für Management and Organization Studies an der Henley Business School der University of Reading (UK) und Gründer des dortigen Centre for China Management and Global Business. Seine Promotion in Management schloss er mit „magna cum laude“ an der Universität Mannheim ab. In der Forschung beschäftigt er sich schwerpunktmäßig mit multinationalen Unternehmen in Schwellenmärkten und dem internationalen Unternehmertum. Er publizierte seine Forschungsergebnisse u. a. in Human Resource Management, dem British Journal of Management sowie dem Journal of World Business. Für seine Forschung erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, wie z. B. den International Business Review Best Paper Award und dem MOR Best Paper Award der Hermann und Marianne Straniak-Stiftung. Aktuell ist er Associate Editor der Fachzeitschrift Asian Business & Management sowie Senior Editor bei Management and Organization Review.

Förderung der nachhaltigen Entwicklung in Kooperationspartnerschaften: Chinesische grenzüberschreitende M&A-Transaktionen

In der aktuellen Forschung fehlt es an einem tieferen Verständnis für die Auswirkungen von grenzüberschreitenden Mergers & Acquisitions (M&A) unter Beteiligung chinesischer Unternehmen auf die nachhaltige Entwicklung in Zielländern, insbesondere aus der Perspektive von sozialen Standards inklusive ökologischer, sozialer und unternehmerischer Aspekte („Environment, Social and Governance”). Ziel des Forschungsprojekts ist es, die sozialen Mechanismen zu untersuchen, die eine nachhaltige Entwicklung von partnerschaftlichen Unternehmenskooperationen ermöglichen und begünstigen können, wobei chinesische M&A-Transaktionen als empirische Grundlage dienen. Durch eine Gegenüberstellung dieser Transaktionen mit den Indikatoren der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen („UN Sustainable Development Goals“) sollen relevante Stakeholder-Gruppen identifiziert und in das Forschungsprojekt eingebunden werden, um deren Erwartungen an soziale Standards zu verstehen und um schließlich ein differenziertes Verständnis der Mechanismen zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung zu erhalten.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Dr. Benjamin Lochner studierte Volkswirtschaftslehre an der FAU Erlangen-Nürnberg. Er erhielt Promotionsstipendien der Dieter und Erika Schumburg-Stiftung und des gemeinsamen Graduiertenprogramms der FAU und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Für seine Dissertation wurde er mit dem Hermann-Gutmann-Preis ausgezeichnet. Er hatte Forschungsaufenthalte an der Universität Aarhus und der Universität Hongkong. Derzeit ist er Postdoktorand am Lehrstuhl für Makroökonomie der FAU. Darüber hinaus ist er Senior Researcher am IAB. Seine Forschungsinteressen umfassen die Bereiche der Arbeitsmarktökonomik, der Makroökonomik und der Finanzwissenschaften.

Geschlechtsspezifische Jobsuche und die Verdienstlücke

Wie unterscheiden sich Frauen und Männer in ihrem Bewerbungsverhalten bei Hoch- und Niedriglohn-Firmen? Wie hängt das Bewerbungsverhalten mit der Verdienstlücke zusammen? Kompensieren Hochlohnfirmen die Arbeitnehmer für höhere Flexibilitätsanforderungen? Wie wirken sich Ehe und Kinder auf die Bewerbungsentscheidungen aus? Diese Fragen sollen in diesem Forschungsprojekt beantwortet werden. Dazu wird das geschlechtsspezifische Suchverhalten und die Auswirkungen auf potenzielle Arbeitsmarktentscheidungen analysiert: 1) Teilnahme an der Arbeitssuche, 2) Suchintensität, 3) die Entscheidung bei welchen Unternehmen sich Arbeitssuchende bewerben sollen.

Foto: Christian Maier

Prof. Dr. Christian Maier ist Professor für Wirtschaftsinformatik, insb. Health and Society in the Digital Age an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. In seiner Forschung befasst er sich mit positiven und negativen Auswirkungen der Digitalisierung auf Individuen und Unternehmen. Seine Forschungsergebnisse sind in international anerkannten Fachzeitschriften wie MIS Quarterly oder Journal of the Association for Information Systems erschienen und wurden mehrfach in Funk- und Fernsehsendungen (z. B. ZDF, RTL, 3Sat) präsentiert. Er ist Schmalenbach-Preisträger (2015), erhielt Early Career Awards der AIS (2019) und ACM SIGMIS (2020), mehrere Best Paper Awards und den Universitätspreis für gute Lehre (2019).

Technostress während der Erstnutzung einer neuen Technologie: Theoretische Konzeptualisierung, empirische Studien und Implikationen für die Praxis

Viele Menschen erleben alltäglich Technologie-bedingten Stress, kurz Technostress. Während Technostress im Beruf mittlerweile üblich ist, dringt dieser auch immer mehr ins Privatleben der Menschen vor. Beispielsweise wird Technostress als ein Grund angeführt, weshalb etwa jedes neunte Tablet innerhalb der ersten 30 Tage zurückgesendet wird.
Da dies der Wirtschaft mehrere Milliarden pro Jahr kostet, hat das Forschungsprojekt das Ziel, das Thema Technostress bei der Erstnutzung einer neu gekauften Technologie im Privatleben zu untersuchen. Mittels eines Experiments sollen Stressursachen identifiziert und deren Zusammenhänge auf das menschliche Verhalten, z. B. der Zahlungsbereitschaft oder dem Zurücksenden der gekauften Technologie, aufgezeigt werden.

Foto: Lukas Maier

Dr. Lukas Maier ist seit 2022 Assistenzprofessor am Institut für Marketing-Management der WU Wien. Er promovierte an der FAU Erlangen-Nürnberg zum Thema „A Consumer Perspective on Open Innovation.“ In seiner Dissertation beschäftigte er sich mit den psychologischen und verhaltensbezogenen Konsequenzen von Open-Innovation-Aktivitäten von Unternehmen für KonsumentInnen. Während seiner Promotion absolvierte er Forschungsaufenthalte an der WU Wien und an der Sauder School of Business (University of British Columbia). In Forschung und Lehre beschäftigt er sich, neben innovationsbezogenen Marketingthemen, mit der Frage, wie man das Verhalten von Individuen zum Wohle der Gesellschaft verbessern kann.

Profiting from Non-Profits? Wann und wie die Zusammenarbeit mit Non-Profit-Organisationen bei der Entwicklung neuer Produkte die Kundenpräferenzen für nachhaltige Produkte erhöht

Trotz der Nachfrage nach nachhaltigen Produkten führen positive Einstellungen und gute Absichten häufig nicht zu entsprechendem Konsumentenverhalten wie beispielsweise dem Kauf nachhaltiger Produkte. Das Forschungsprojekt testet einen neuartigen Marketingansatz, um KonsumentInnen zum Kauf nachhaltiger Produkte zu bewegen. Insbesondere wird untersucht, ob KonsumentInnen nachhaltige Produkte eher kaufen, wenn diese gemeinsam mit Non-Profit-Organisationen entwickelt wurden. Das Forschungsprojekt zielt darauf ab die Zusammenarbeit von Unternehmen mit Non-Profit-Organisationen besser zu verstehen und aufzuzeigen, dass diese nicht nur zu nachhaltigeren Produktinnovationen führen können, sondern auch zu nachhaltigerem Konsumentenverhalten.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Prof. Dr. Friederike Mengel wurde 1979 in Karlsruhe geboren. Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre in Mainz und Paris-X-Nanterre, promovierte sie 2008 bei Fernando Vega Redondo an der Universität Alicante. Im Moment ist sie Professorin an der University of Essex.Ihre Forschungsschwerpunkte sind die (evolutionäre) Spieltheorie, soziale Netzwerke und Modelle beschränkt rationalem Handelns. Ihre Arbeiten wurden in internationalen Zeitschriften verschiedener Disziplinen veröffentlicht, wie z. B. Games and Economic Behavior oder dem Journal of Theoretical Biology. Sie war als Gastforscher unter anderem an der Cornell University, MPI Jena, New York University und dem Santa Fe Institute.

Prozedurale Fairness

Im Rahmen des Projektes sollen neuronale Reaktionen auf Mechanismen zur Aufteilung begrenzt verfügbarer Ressourcen untersucht werden. Viele Studien zeigen, dass die Akzeptanz von „unfairen“ Allokationen in hohem Maße korreliert ist mit den Prozessen durch die sie zustande kommen.

Offen ist, ob die Akzeptanz fairer Institutionen auf der Zufriedenheit mit dem Ergebnis beruht oder darauf, dass Individuen aufgrund der fairen Prozedur ihre Unzufriedenheit mit dem Ergebnis unterdrücken. Die Antwort auf diese Frage hat deutliche Implikationen für die Attraktivität solcher Mechanismen aus wohlfahrtstheoretischer Sicht und für die Frage ob prozedural faire Institutionen langfristig stabil sind.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Dr. Christopher Münch studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der FAU Erlangen-Nürnberg, wo er 2022 am Lehrstuhl für Supply Chain Management promovierte. Neben seiner Lehr- und Forschungstätigkeit als Akademischer Rat an der FAU unterrichtet er außerdem an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Amberg-Weiden. Darüber hinaus ist er akademischer Berater und Jurymitglied bei verschiedenen Institutionen, u. a. dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis und Best of Consulting sowie Gutachter bei zahlreichen wissenschaftlichen Zeitschriften und Konferenzen. Zu seinen Forschungsinteressen zählen u. a. die strukturellen Veränderungen von Lieferketten im Kontext von Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

Vertrauen, Kooperation und Macht – Die soziale Seite der Blockchain-Technologie in zirkulären Lieferketten

Das Forschungsvorhaben von Christopher Münch zielt darauf ab, die sozialen Implikationen der Integration von Blockchain-Technologie in zirkuläre Lieferketten zu untersuchen. Es wird analysiert, inwieweit Blockchains dazu beitragen können, das Vertrauen zwischen den Akteuren des Marktes zu stärken und ob diese gesteigerte Vertrauensbildung zu einer verstärkten Kooperation sowie einem erhöhten Informationsaustausch führt. Des Weiteren wird untersucht, ob die dadurch ermöglichte intensive Informationsübermittlung die Dominanz der bisherigen Hersteller verringert und somit zu einer gerechteren Gestaltung der Lieferketten beiträgt. Durch die Beantwortung dieser Fragen wird angestrebt, ein umfassendes Verständnis für die sozialen Auswirkungen der Blockchain-Technologie in der Kreislaufwirtschaft zu erlangen, um zukünftige wirtschaftliche und politische Strategien fundiert gestalten zu können.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Prof. Dr. Markus Nagler ist seit 2019 Juniorprofessor für Arbeitsmarkt- und Innovationsökonomik an der FAU Erlangen-Nürnberg. Er studierte Volkswirtschaftslehre an der LMU München, der Universitat Pompeu Fabra Barcelona sowie am University College London. Nach verschiedenen Forschungsaufenthalten in den USA (u. a. Massachusetts Institute of Technology, Harvard, Boston University, National Bureau of Economic Research) promovierte er 2018 an der LMU München. Er forscht zu Themen wie den Determinanten der Verbreitung von Wissen, den Auswirkungen des Patentschutzes sowie den Arbeitsmarktentscheidungen von sogenannten Knowledge Workers.

Die digitale Transformation der Arbeitsmärkte

Das Forschungsprojekt von Markus Nagler möchte die Chancen und Risiken der Digitalisierung für den Arbeitsmarkt aufzeigen. Es schafft eine neue Datengrundlage für diese Forschung, indem Online-Stellenanzeigen mit Sozialversicherungsdaten kombiniert werden. Dadurch können unter anderem die Auswirkungen der Adoption digitaler Technologien auf Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer analysiert werden. Ein zweiter Teil des Projekts wird mit Hilfe von Befragungsdaten und Experimenten die Auswirkungen von Arbeitsbedingungen in Zusammenhang auf Löhne untersuchen. Das Forschungsprojekt wird sich folglich mit zahlreichen Fragen im Themenbereich Zukunft der Arbeit beschäftigen.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Dr. Christian Pescher studierte Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Statistik und Marketing an der KU Eichstätt-Ingolstadt sowie den Masterstudiengang Sprechwissenschaften an der Universität Regensburg. Während des Studiums absolvierte er Auslandssemester in Chile, Brasilien und Mexiko. Er promovierte an der Universität Passau und an der Ludwig-Maximilians-Universität München zum Thema „Social Networks in Marketing und Innovation“. Im Anschluss an die Promotion verbrachte er einen neunmonatigen Forschungsaufenthalt an der University of Southern California in Los Angeles (USA). Bevor er den Ruf auf die Juniorprofessur für Digitales Marketing an der FAU Erlangen-Nürnberg annahm, war er bei der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG verantwortlich für Planung und Reporting in Europa. Aktuell lehrt und forscht er an der Universidad de los Andes in Chile.

Idea Screening im Crowdsourcing

Der Grundgedanke des Crowdsourcing besteht darin, Tätigkeiten, die vorher unternehmensintern bearbeitet wurden über das Internet an eine große Menge anonymer Teilnehmer, die sogenannte „Crowd“, outzusourcen. Somit können Unternehmen auf das heterogene Wissen und die vielfältigen Fähigkeiten einer hohen Anzahl von Menschen zugreifen. Ein beliebtes Anwendungsgebiet des Crowdsourcing ist die Ideation. Dabei existieren zwei Phasen: Ideengenerierung und Ideenselektion. Während es im Crowdsourcing kein Problem ist, viele Ideen zu generieren, wird bei der Ideenselektion häufig mit der Evaluierung durch andere Teilnehmer (potentielle Interessenkonflikte) oder durch Experten (kognitiv anfällig für Fehler bei sehr vielen Ideen) gearbeitet.

Im Rahmen des Forschungsprojekts sollen sowohl die vor-inventiven Gedankenstrukturen der Teilnehmer mittels semantischer Netzwerke als auch frei verfügbare Informationsstrukturen im Internet identifiziert werden. Anhand der Ergebnisse vergangener Crowdsourcing-Wettbewerbe werden Regelmäßigkeiten aufgezeigt, welche gute Ideen von schlechten Ideen unterscheiden. Dies ermöglicht eine Automatisierung der Ideenselektion.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Prof. Dr. Jonas Puck ist Professor und Leiter des Instituts for International Business der Wirtschaftsuniversität Wien. Zuvor war er am Lehrstuhl für Internationales Management des wirtschaftswissenschaftlichen Fachbereichs der FAU Erlangen-Nürnberg tätig, wo er 2007 promovierte und 2009 habilitierte. Zudem lehrt bzw. lehrte er als Gastdozent an der University of New South Wales (Sydney, Australien), der UIBE (Peking, China) der Tsinghua School of Management (Peking, China) und der Bradford University (UK). Seine Hauptarbeitsgebiete liegen in den Bereichen des Internationalen Strategischen Managements und des Internationalen Personalmanagements.

Auslandsmarktwissen von Immigranten als Quelle der internationalen Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen

In Deutschland lebten 2010 rund 15 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund. In der öffentlichen Diskussion werden diese zumeist als Problem oder zumindest Herausforderung für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft aufgefasst. In anderen Ländern wie den USA, Australien, Großbritannien oder Kanada werden Immigranten hingegen oft aus einer anderen Perspektive betrachtet. Immigranten sind dort in vielen Regionen wichtige Wirtschaftsfaktoren. Eine ihrer besonderen Eigenschaften ist dabei die gute Kenntnis ihres Heimatlandes, welche sich Unternehmungen für internationale Geschäftsaktivitäten zunutze machen können. Das Projekt soll einen ersten Beitrag dazu leisten, Erkenntnisse über den Einsatz von Immigranten zur Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen zu gewinnen.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Prof. Dr. Simon Reif ist Professor für Volkswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Gesundheitsmärkte an der FAU Erlangen-Nürnberg. Darüber hinaus leitet er die Forschungsgruppe „Gesundheitsmärkte und Gesundheitspolitik“ am ZEW – Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim. Er hat Soziologie und Volkswirtschaftslehre an der University of Hull, der FAU Erlangen-Nürnberg und der LMU München studiert. Seine Promotion zum Thema „On the Supply of Medical Services – Four Essays in Health Economics” schloss er 2018 an der FAU Erlangen-Nürnberg ab. Vor seiner Tätigkeit am ZEW arbeitete er als Politik- und Startup-Berater. Seine Forschungsinteressen sind verhaltensökonomische und institutionelle Einflussfaktoren beim Angebot medizinischer Leistungen und die Auswirkungen der Digitalisierung im Gesundheitswesen.

Der Markt für Digital Health in Deutschland

Seit Ende 2020 können sich alle gesetzlich Versicherten in Deutschland zur Unterstützung ihrer Behandlung sogenannte Digitale Gesundheitswendungen (DiGAs) verschreiben lassen. Diese „Apps auf Rezept“ sind ein weltweit einzigartiger Weg patientenzentrierte Gesundheitsapps in die Regelversorgung zu integrieren. Im Forschungsprojekt soll untersucht werden, inwieweit Entwickler durch diesen Zugangsweg motiviert wurden, mehr solcher Apps für den deutschen Markt zu entwickeln. Neben dem allgemeinen Angebotseffekt liegt der Fokus auf der Frage, inwieweit sich durch die für eine Vergütung erforderlichen Qualitätsanforderungen die Anzahl an qualitativ hochwertigen Anwendungen auf dem Markt erhöht hat.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Dr. Georg Reischauer ist Assistant Professor und Forschungsgruppenleiter an der Wirtschaftsuniversität Wien. Davor hatte er Positionen an der Johannes Kepler Universität Linz, der Hertie School of Governance, der Technischen Universität Wien und der Ludwig-Maximilians-Universität München inne. Er war Gastwissenschaftler an mehreren Universitäten in den Vereinigten Staaten. Er promovierte in Industriebetriebslehre an der Technischen Universität Wien. Seine Forschung konzentriert sich auf den Zusammenhang von digitaler Strategie, digitaler Organisation und digitaler Nachhaltigkeit.

Systemische Innovation von komplexen physischen Produkten

Komplexe physische Produkte sind charakteristisch für kapitalintensive Industrien wie die Automobilindustrie und die Maschinenbauindustrie. Die kontinuierliche Innovation dieser Produkte stellt eine Herausforderung für etablierte Unternehmen dar. Eine Möglichkeit, dieser Herausforderung zu begegnen, besteht in einem systemischen Ansatz. Hierbei co-evolviert jenes Unternehmen, das die komplexen Produkte fertigt, strategisch mit externen Akteuren, die für diese Produkte direkt und indirekt relevant sind. Durch die Analyse von Akteuren, die Elektromobile und Elektromobilitätsinfrastrukturen erzeugen und in Stand halten, wird ein besseres Verständnis darüber geschaffen, wie und wann Akteure komplexe physische Produkte systematisch innovieren.

Foto: FAU/Giulia Iannicelli

Dr. Almasa Sarabi ist in der Faculty of Economics and Business der Universität Amsterdam beschäftigt. Sie studierte Anglistik, Kulturwissenschaften, und Betriebswirtschaftslehre in Hamburg, Göttingen, Pune (Indien) und Uppsala (Schweden) und promovierte in Betriebswirtschaftslehre in Göttingen 2017 mit Forschungsaufenthalten in Südkorea und Kanada. Anschließend war sie Juniorprofessorin für internationales Personalmanagement an der FAU Erlangen-Nürnberg. In ihrer Forschung untersucht sie Strukturen der Arbeit und der Beschäftigung und fokussiert in aktuellen Projekten unter anderem auf geschlechtsbezogene Verzerrungseffekte im Rahmen von Einstellungsprozessen sowie Kommunikationsprozessen innerhalb von Organisationen.

Benachteiligung von Frauen in Einstellungsverfahren: Die Rolle der einstellenden Führungskräfte

Werden Frauen in Einstellungsverfahren von einstellenden Führungskräften benachteiligt? Diese Frage untersucht das Forschungsprojekt im Rahmen von echten Einstellungsentscheidungen in einem quasi-randomisierten Feldexperiment. Dabei nutzt es die Einführung eines neuen Einstellungsverfahrens in einem multinationalen Unternehmen aus, das die Entscheidungsfreiheit einstellender Führungskräfte maßgeblich eingeschränkt hat.

Es zeigt auf, dass Veränderungen in Einstellungsprozessen die Veränderung der Geschlechterkomposition innerhalb von Unternehmen bedingen können. Das Projekt zielt darauf ab die Ursachen von sozialen Ungleichheiten innerhalb von Unternehmen zu verstehen und ihnen entgegenzuwirken.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Prof. Dr. David Schindler vertritt seit April 2026 den Lehrstuhl für Marketing und Innovation an der Universität Passau. Von 2018 bis 2026 war er als Akademischer Oberrat am GfK-Lehrstuhl für Marketing Intelligence an der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg tätig. Zuvor studierte er Wirtschaftswissenschaften (B.Sc. und M.Sc) an der Universität Hannover und der Ball State University (USA). Er wurde mit dem Lehrpreis der FAU für NachwuchswissenschaftlerInnen ausgezeichnet und absolvierte einen Forschungsaufenthalt an der University of Texas in Austin. Seine Forschungsinteressen liegen in den Bereichen digitale Transformation des Marketings (insb. künstliche Intelligenz und Social Media) sowie Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Wandel.

Influencer Kommunikation: Werbeeffektivität und gesellschaftliche Konsequenzen einer idealisierten Selbstdarstellung von Influencern in sozialen Medien

Influencer-Marketing, authentisch durch Alltagsinhalte und persönliche Erfahrungen, gewinnt aufgrund der abnehmenden Wirksamkeit traditioneller Marketingstrategien an Relevanz. Die idealisierte Selbstdarstellung von Influencern in sozialen Medien, die psychologische Probleme wie niedriges Selbstwertgefühl und Essstörungen verursachen kann, steht jedoch zunehmend in der Kritik. Dieses Forschungsprojekt analysiert den Einfluss der idealisierten Selbstdarstellung auf die Effektivität von Influencer-Marketing und identifiziert Wege, um negative Auswirkungen zu reduzieren, mit dem Ziel, gesellschaftliche Richtlinien zu entwickeln und ein Bewusstsein für eine verantwortungsvolle Mediennutzung zu schaffen.

Foto: Universität Regensburg

Prof. Dr. Daniel Schnurr ist seit 2022 Inhaber des Lehrstuhls für Maschinelles Lernen, insbesondere Uncertainty Quantification an der Universität Regensburg. Zuvor leitete er die Forschungsgruppe Data Policies an der Universität Passau. In seiner Forschung befasst sich Daniel Schnurr mit den technischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Implikationen neuer maschineller Lernverfahren und Daten als entscheidender Wettbewerbsfaktor und Innovationstreiber in digitalen Märkten. Seine Forschungsarbeiten sind in renommierten Fachzeitschriften wie beispielsweise Management Science, Journal of Information Technology und Journal of Industrial Economics erschienen. Daniel Schnurr promovierte 2016 im Bereich Wirtschaftsinformatik am Karlsruher Institut für Technologie, wo er zuvor drei Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Informationswirtschaft und Marketing (IISM) tätig war. Von 2007 bis 2013 studierte er Informationswirtschaft (B.Sc. & M.Sc.) am Karlsruher Institut für Technologie mit Auslandsaufenthalten an der John Molson School of Business, Concordia University (Kanada) und der Singapore Management University (Singapur).

Mensch vs. Maschine: Wettbewerb mit künstlicher Intelligenz in digitalen Märkten

Das Projekt erforscht die Wettbewerbsdynamik zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz und untersucht, welche ökonomischen Auswirkungen der vermehrte Einsatz von maschinellem Lernen in digitalen Märkten mit sich bringt. Mit Hilfe einer Serie von Laborexperimenten wird analysiert, welchen Einfluss Algorithmen auf das Marktergebnis haben, wenn Preise automatisiert von maschinellen Lernverfahren bestimmt werden. Durch die kontrollierte Variation (1) der handelnden Akteure, (2) der eingesetzten Lernverfahren und (3) des Grades der Entscheidungsunterstützung für menschliche Entscheider werden Einflussfaktoren und Implikationen der Mensch-Maschine-Interaktion im strategischen Wettbewerb systematisch untersucht.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Prof. Dr. Tassilo Schuster ist Professer auf dem Gebiet Nachhaltige Geschäftsmodelle und Ressourceneffizienz an der Hochschule Neu-Ulm und Strategic and Scientific Advisor bei Fraunhofer IIS. Er promovierte an der FAU Erlangen-Nürnberg und war bis Dezember 2023 als Akademischer Rat am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Internationales Management tätig. Von Oktober 2017 bis September 2019 übernahm er die Vertretungsprofessur für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere für Wirtschaft in Japan an der LMU München. Zahlreiche seiner Forschungsergebnisse wurden in renommierten Zeitschriften wie dem Journal of Product Innovation Management, International Business Review und Journal of International Management veröffentlicht. Seit 2013 ist er als Associate Editor der Zeitschrift South Asian Journal of Global Business Research aktiv. Seine Forschungsinteressen liegen im Bereich Internationales Management, Personalmanagement und Management in Emerging Markets, zu denen bspw. Themen wie Geschäftsstrategien in einkommensschwachen Märkten und Auslandsentsendungen in Hochrisikoländern zählen.

Inpatriates – Ausländische Mitarbeiter als strategische Erfolgsfaktoren von Unternehmungen

Zahlreiche Unternehmungen aus der Metropolregion Nürnberg sind zu globalen Akteuren aufgestiegen und vertreiben heute führende Produkte und Dienstleistungen weltweit. Die globale Präsenz bringt mit sich, dass verstärkt ausländische Mitarbeiter in die Muttergesellschaft entsandt werden (Inpatriation), da hierdurch einerseits eine effiziente Koordination der Tochtergesellschaften sichergestellt und andererseits ein reger Wissensaustausch zwischen Mutter- und Tochtergesellschaften erreicht werden kann. Unternehmungen aus der Metropolregion klagen jedoch zunehmend über Schwierigkeiten, hochqualifizierte Mitarbeiter aus dem Ausland für eine Beschäftigung in der Region zu gewinnen. Zwar ist die Metropolregion wirtschaftlich bedeutend, jedoch besitzt sie im Vergleich zu anderen Metropolregionen wie Berlin, Hamburg, München, Madrid, Amsterdam, Paris und London eine geringere Attraktivität. Ziel des Forschungsprojekts ist es, den Einsatz von Inpatriates zur Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmungen zu analysieren und Unternehmungen aus der Metropolregion Nürnberg bei diesem Vorhaben zu unterstützen.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Prof. Dr. Cynthia Sende studierte Psychologie an der Technischen Universität Dresden. Nach ihrer Tätigkeit als Projektleiterin in einer personalpsychologischen Unternehmensberatung promovierte sie am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialpsychologie an der FAU Erlangen-Nürnberg über die Aussagekraft von Arbeitszeugnissen in der Personalauswahl. Ihre Forschungsschwerpunkte sind eignungsdiagnostische Methoden (insbes. Referenzen) sowie die Wirkung von Digitalisierung und Flexibilisierung in der Arbeitswelt. Seit 2019 ist sie Professorin für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Hof.

Digitaler Stress: Wann die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnik Gesundheit und Leistung beeinträchtigen kann

Im Forschungsprojekt soll in einer Längsschnittstudie der Einfluss psychologische Faktoren (z. B. Selbstkontrolle, Fear of Missing Out) auf die Nutzung digitaler Medien und auf die Wirkung der Mediennutzung auf Wohlbefinden und Leistung im Studium bzw. Beruf untersucht werden. Auf Basis der Forschungsergebnisse sollen Empfehlungen für die Optimierung des Mediennutzungsverhaltens abgeleitet werden, um mögliche negative Auswirkungen wie Stresserleben, Entgrenzung und Beeinträchtigung der Work-Life-Balance zu reduzieren.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Prof. Agnis Stibe, PhD ist ist Associate Professor im Business Innovation Department an der Business School der RMIT University Vietnam und außerordentlicher Professor für Artificial Intelligence for Society 5.0 an der Universität von Pretoria (Südafrika). Seine Forschung stützt sich auf soziopsychologische Theorien, um „Social Influencing Systems“ (SIS) zu entwickeln, die zu einer ganzheitlichen Veränderung des Gesundheitsbewusstseins und -verhaltens von Menschen führen sollen. Der viermalige TEDx-Redner hält regelmäßig Vorträge auf internationalen Konferenzen und arbeitet eng mit Industriepartnern zusammen. Unter anderem arbeitete er bereits für namhafte Unternehmen wie Hewlett-Packard, Oracle und First Data. Das lettische Ministerium für Bildung und Wissenschaft hat ihn bereits zweifach für seine langfristige, kreative Arbeit ausgezeichnet. Er hat einen Masterabschluss in Informatik von der Universität Lettlands, einen MBA von der Technischen Universität Riga (Lettland), promovierte an der Universität Oulu (Finnland) und erhielt ein Postdoctoral Training im Media Lab des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge (USA).

„Persuasive Cities“ für nachhaltiges Wohlbefinden und Innovation

Die Grundidee des Forschungsprojekts von Agnis Stibe ist, dass die Lebensqualität in Städten wie Nürnberg durch eine Umgestaltung und Erweiterung von urbanen Lebensräumen mit „persuasiven“ Technologien und sozialen Beeinflussungsstrategien verbessert werden kann. Persuasive Technologien zielen darauf ab, das Verhalten von Bürgern zu verändern und sie auf subtile und oftmals spielerische Weise zu einer nachhaltigen und gesünderen Lebensweise zu animieren.

Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Fragestellung, wie der Einsatz von persuasiven Technologien (z. B. intelligente Außensensoren, interaktive und öffentliche Feedbackkanäle) soziale Veränderungsprozesse unterstützen kann. Insbesondere untersucht Agnis Stibe in seinem Projekt, wie entsprechende Technologien den Bürgern einer Stadt dabei helfen können, gesunde und ressourceneffiziente Alltagsroutinen zu übernehmen. Das übergeordnete Projektziel ist es, neue Wege aufzuzeigen, wie mithilfe persuasiver Technologien eine sozial beeinflussende Umgebung geschaffen werden kann, die Innovation und das Wohlbefinden der Bürger einer Stadt unterstützt.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Prof. Dr. Michael Stich studierte von 2004 bis 2009 Betriebswirtschaftslehre an der Universität Regensburg und der Katholischen Universität Leuven. Nach seinem Studienabschluss war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ruhr-Universität Bochum tätig und wurde 2011 im Bereich Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung promoviert. Von 2012 bis 2017 war er Juniorprofessor für Empirische Wirkungslehre der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der FAU Erlangen-Nürnberg. Von 2017 bis 2021 war er Professor für Empirical Accouting (Value und Risk) an der Universität zu Köln. Seit April 2021 ist er Professor für Accounting am TUM Campus Heilbronn. In Forschung und Lehre befasst er sich insbesondere mit den Ursachen und Folgen der Publikation von finanziellen und nichtfinanziellen Unternehmensinformationen. Ein besonderes Augenmerk gilt hierbei der Frage, inwiefern Rechnungslegungsnormen das Verhalten von gesellschaftlichen Entscheidungsträgern direkt und/ oder indirekt beeinflussen.

Risiken und Nebenwirkungen von Rechnungslegungsnormen für nachhaltiges Wirtschaften

Bereits seit einigen Jahren unternimmt die Gesellschaft bedeutende Anstrengungen, vorhandene Ressourcen nachhaltig zu nutzen. Diverse Initiativen sowie Ge- und Verbote auf der nationalen, europäischen und internationalen Ebene sollen dazu beitragen, dass sich auch Unternehmen an nachhaltigen, langfristigen Zielen orientieren. Dennoch stehen insbesondere einige Rechnungslegungsnormen auf der europäischen Ebene im Verdacht, diesem Ziel auf indirektem Wege zuwider zu laufen. So wird beispielsweise gemutmaßt, dass die Pflicht zur quartalsweisen Berichterstattung Manager zu kurzfristigen – und somit wohl oftmals auch weniger nachhaltigen – unternehmerischen Entscheidungen verleitet. Im Rahmen dieses Forschungsprojekts werden derartige indirekte, potentiell nachteilige Effekte von Rechnungslegungsnormen auf nachhaltiges Wirtschaften kritisch hinterfragt.

Foto: Hannah Trittin-Ulbrich

Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich ist Juniorprofessorin für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftsethik an der Leuphana Universität Lüneburg. 2018/19 war sie auch Governing Responsible Business Research Fellow an der Copenhagen Business School. Von 2016 bis 2018 arbeitete sie als Postdoktorandin im Fachbereich Betriebswirtschaftslehre an der Universität Zürich, wo sie 2016 promoviert wurde. Zuvor studiere sie Politik- und Wirtschaftswissenschaften an der FAU Erlangen-Nürnberg. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Corporate Social Responsibility (CSR), CSR-Kommunikation sowie auf dem unternehmerischen Umgang mit ethischen Fragestellungen im Digitalisierungsprozess.

Ethik-Management im digitalen Zeitalter: Die Rolle von Prozessen, Praktiken und Kompetenzen

Viele deutsche Unternehmen haben die Relevanz von Ethik im digitalen Transformationsprozess erkannt. Gleichzeitig berichten viele von einem gewissen Mangel an Kompetenzen im Bereich der Digitalisierung und insbesondere von einem Mangel an Bewusstsein für ethische Fragestellungen in Bezug auf den digitalen Transformationsprozess. Anhand ausgewählter Best-Practice Beispiele zielt dieses Forschungsprojekt darauf ab, Prozesse und Praktiken zu identifizieren mithilfe derer Unternehmen verantwortlich mit dem digitalen Transformationsprozess umgehen können und aufzuzeigen, welche Kompetenzen sie entwickeln müssen, um ethische Fragen, die im Prozess der Digitalisierung entstehen, beantworten zu können.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Dr. Harry van der Weijde ist Energiewissenschaftler und forscht an der Schnittstelle zwischen Ökonomie, Ingenieurwissenschaften und Operations Research. Er ist Chancellor’s Fellow an der University of Edinburgh und Fellow am Alan Turing Institute for Data Science (UK), davor war er an der University of Cambridge (UK) und der Vrije Universiteit Amsterdam (NL) tätig. Er ist Mitglied im Forschungsverband des National Centre for Energy Systems Integration sowie Leiter des von der EU geförderten Arbeitspakets Energy Systems in Transition innovative training network (ENSYSTRA).

Modellierung von Risiken und Unsicherheiten in Strommärkten: Methoden und Implikationen

Europäische Elektrizitätssysteme durchlaufen eine Zeit enormer Veränderungen, die einen hohen Investitionsbedarf in Netz- und Erzeugungskapazitäten zur Folge haben. Es existieren bereits Modelle, die dabei helfen sollen, diesen Bedarf zu den niedrigsten Kosten zu decken. Diese sind jedoch zu stark vereinfacht, da sie nicht berücksichtigen, dass Investoren im Strommarkt risikoscheu sind und konzentrieren sich außerdem auf die Strommärkte in den USA. Im Rahmen des Forschungsprojekts sollen Methoden entwickelt werden, um Unsicherheit und Risikoaversion in Optimierungs- und Gleichgewichtsmodelle europäischer Strommärkte einzubeziehen. Diese Modelle sollen anschließend verwendet werden, um die Auswirkungen von Unsicherheit und Risiken auf die räumliche Verteilung von Investitionen in Stromerzeugungskapazitäten, die optimalen Übertragungsausbaustrategien und das Energiemarktdesign zu analysieren.

Foto: Michael Weber

Prof. Michael Weber, PhD ist seit 2014 Assistant Professor of Finance an der University of Chicago Booth School of Business und wurde 2018 zum Associate Professor befördert. Sein Diplom in Betriebswirtschaftslehre schloss er an der Universität Mannheim und seinen PhD in Finance an der University of California, Berkeley ab. Des Weiteren ist er Mitglied am National Bureau of Economic Research in den Monetary Economics and Asset Pricing Gruppen, Mitglied in der Monetary Economics and Fluctuations Gruppe des CEPR, Mitglied im Geldtheoretischen Ausschuss des Vereins für Socialpolitik, Mitglied in der Macro Finance Society, Forschungsprofessor am Ifo Institute und Mitglied im CESifo Forschungsnetzwerk.

Darüber hinaus ist er akademischer Berater der Europäischen Zentralbank, der Federal Reserve Bank of Cleveland, der Finnischen Zentralbank und weiterer Zentralbanken. Seine Forschungsinteressen beinhalten Kapitalmarktforschung, Makroökonomie, Internationale Finanzierungslehre, und Household Finance. Seine Arbeiten wurden in den renommiertesten internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht, wie z. B. American Economic Review, The Review of Economic Studies, Journal of Political Economy, The Review of Financial Studies und Journal of Financial Economics.

Können divers-zusammengesetzte Gremien unterrepräsentierte Gruppen besser erreichen?

Weltweit mangelt es vielen Zentralbanken an einer diversen Zusammensetzung ihrer Führungsebene,
während gleichzeitig eine große Heterogenität darin besteht, wie unterschiedliche Bevölkerungsgruppen über geldpolitische Ziele informiert werden. Die Kommunikationskanäle von Zentralbanken sind mittlerweile ein eigenständiges geldpolitisches Werkzeug, insbesondere in einem Niedrigzinsumfeld. Viele gute Gründe sprechen für eine diverse Zusammensetzung solcher Gremien, etwa ethische oder eine bessere Entscheidungsqualität, jedoch sind diese Gründe oft schwierig messbar.

Daher konzentriert sich das Forschungsprojekt auf die Frage, ob divers-zusammengesetzte geldpolitische Gremien effektiver sind, die gesamte Bevölkerung mit ihren Kommunikationskanälen zu erreichen. Konkret soll dabei untersucht werden, ob die Salienzmachung einer Minderheitenrespräsentation im amerikanischen geldpolitischen Entscheidungsgremium der Federal Open Market Committee (FOMC) einen Einfluss darauf hat, wie unterschiedliche Teile der Bevölkerung auf bereitgestellte Informationen reagieren und diese Information in ihrer eigenen Erwartung berücksichtigen. Zur Beantwortung dieser Frage soll ein Informationsbereitstellungsexperiment innerhalb einer Umfrage durchgeführt werden, bei dem die teilnehmenden Personen das Bild eines regionalen Zentralbank-Präsidenten sehen, allerdings sehen einige Teilnehmer eine weiße Frau, andere einen farbigen Mann und wiederum andere einen weißen Mann, wobei alle identische Vorhersagen zur Arbeitslosigkeit sehen.

Anschließend soll verglichen werden, wie sehr die Personen diese Vorhersagen in ihrer eigenen Erwartungsbildung berücksichtigen und ob der Effekt nach demographischen Gruppen variiert. Zuletzt sollen die Kanäle, welche diese Effekte möglicherweise beeinflussen, wie beispielsweise Vertrauen in die Zentralbank, ein allgemeines Interesse an Diversität, Homophilie oder ein Informationserwerbskanal analysiert werden.

Foto: SFZ/Jochen Ermann

Prof. Dr. Andrea Wechsler ist Professorin an der Hochschule Pforzheim, Affiliated Research Fellow am Max-Planck-Institut für Immaterialgüter- und Wettbewerbsrecht sowie Gastprofessorin an der Hanken School of Economics in Helsinki. Ihre Forschungsschwerpunkte sind das internationale, asiatische und europäische Wirtschaftsrecht, die internationale Handelsschiedsgerichtsbarkeit sowie die ökonomische Analyse des Rechts. Ihr Studium hat sie an der Universität Oxford, der Columbia University School of Law, der Ludwig-Maximilians-Universität und der Peking Universität absolviert. Ihre Arbeitserfahrungen umfassen Tätigkeiten in der International Competition and Innovation, bei McKinsey & Company, am Europäischen Gerichtshof sowie diverse Lehraufträge.

Die Transformation der Rechtsdurchsetzung in Europa am Beispiel des Kartellrechts

Die zentrale Zielsetzung des rechtsökonomischen Forschungsvorhabens ist die Untersuchung und Beurteilung der Transformation der Rechtsdurchsetzung im europäischen Kartellrecht. Beabsichtigt ist eine Offenlegung und Beurteilung der Transformationsprozesse und ihrer Auswirkungen aus dogmatischer, rechtstheoretischer, institutioneller sowie verfahrens- und materiellrechtlicher Perspektive. Die wissenschaftliche und gesellschaftliche Relevanz liegt dabei in der Erörterung, ob und inwiefern die Dynamiken der europäischen Rechtsangleichung, der Ökonomisierung und Privatisierung eine neue innere Systematik der Kartellrechtsdurchsetzung verlangen ebenso wie entsprechende rechtspolitische Antworten.

Foto: SFZ/Giulia Iannicelli

Prof. Dr. Sven Weinzierl ist Vertretungsprofessor für Explainable Artificial Intelligence for Business Value Creation am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Regensburg. Er studierte Wirtschaftsinformatik an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und promovierte 2022 an der FAU Erlangen-Nürnberg. Seit Beginn seiner Promotion befasst er sich mit der Entwicklung von Machine-Learning-basierten Lösungen für Unternehmen. Seine Forschungsergebnisse sind in international anerkannten Fachzeitschriften wie European Journal of Operational Research, Decision Support Systems und Business & Information Systems Engineering erschienen. Seine Forschung wurde durch Programme wie FAUnext, ETI und Software Campus gefördert. Von Mai 2022 bis April 2026 war er akademischer Rat a. Z. an der FAU Erlangen-Nürnberg.

Erklärung Interner Mechanismen von Large Language Modellen: Methodische Gestaltung, empirische Evaluation und Implikationen für die Gesellschaft

Large Language Modelle (LLM) wie GPT haben beeindruckende Fähigkeiten in der algorithmischen Sprachverarbeitung gezeigt und entwickeln sich zunehmend zu einem integralen Bestandteil unserer Gesellschaft. Trotz des Hypes um LLM sind deren interne Mechanismen weitestgehend intransparent. Dieser Mangel an Transparenz birgt unerwünschte Risiken für nachgelagerte Anwendungen, wie ChatGPT. Zum Beispiel kann nicht nachvollzogen werden, in welchen Situationen Anwendungen fiktive Inhalte erzeugen, also halluzinieren. Das Forschungsprojekt zielt daher darauf ab, eine Methode zur Erklärung interner Mechanismen von LLM zu gestalten und zu evaluieren sowie Implikationen für die Gesellschaft abzuleiten.

Foto: SFZ/Jochen Ermann

Hossein S. Zadeh, PhD war als Senior IT-Manager und Unternehmensberater tätig bevor er sich der Forschung zuwandte. Derzeit ist er als Science Team Leader in der Defence Science and Technology Group (DST) der australischen Regierung tätig. Seine Forschungsschwerpunkte sind multidimensionale Optimierung, Entscheidungsunterstützung, Gesundheitswesen sowie evolutionäre Algorithmen. Während seiner Laufbahn nahm er bereits verschiedene Lehr- und Forschungsaufträge unter anderem in Hongkong, Singapur, Vietnam und Schweden wahr. Er ist Träger des University Team Teaching Award und des University Certificate of Achievement in Innovative Teaching. 2010 wurde er mit dem prestigeträchtigen IBM Faculty Award ausgezeichnet. Er ist Gutachter mehrerer namhafter Fachzeitschriften und Konferenzen.

Verbesserte Gesundheitsfürsorge durch den Einsatz von Mikrosensoren in Textilien

Im Forschungsprojekt von Hossein S. Zadeh sollen Fortschritte bei der Prävention und Bekämpfung von Alterserkrankungen erzielt werden. Die Zielsetzung des Forschungsvorhabens besteht darin, durch den Einsatz von Mikrosensoren in Textilien älteren Menschen bei der Bewältigung von Altersbeschwerden zu helfen und diesen vorzubeugen, indem eine kontinuierliche Überwachung des Gesundheitszustands von Patienten in Echtzeit gewährleistet wird.